Was ist eine Vitola?

Vereinfacht lässt sich sagen, dass die Vitola das Zusammenspiel von Form und Größe einer Zigarre bezeichnet. Ein alternativer Begriff wäre „façon“, was in diesem Zusammenhang so viel wie Machart heißen würde. Die Vitola legt die technischen Maße und damit die Proportionen einer Zigarre fest. Die geometrische Festlegung bestimmt Form, Gestalt und Aufriss der Zigarre.

Eine Schablone für Kanonenkugeln

Wie so häufig im amerikanischen Spanisch stammt der Begriff aus der Seefahrersprache. So handelte es sich bei Vitolas um Schablonen, die zum Kalibrieren bestimmter Holzelemente im Schiffsbau genutzt wurden. Auch die Schablonen, mit denen die Kugeln in Geschützfabriken bestimmt wurden, hießen Vitolas.

Zigarrenmodelle

In vielen Zigarrenfabriken finden sich Modelle der einzelnen Vitolas. In einer besonders alten kubanischen Zigarrenfabrik sollen sich knapp 1000 verschiedene Modelle für Vitolas befinden. Besonders bekannt sind die Corona, die Robusto und natürlich die Churchill.

Anthropologische Tragweite

Wie man es bereits an den Namen der jeweiligen Vitolas ablesen kann, hat jede Vitola bestimmte Eigenschaften, einen eigenen Charakter. Die Churchill beispielsweise wurde nach der historischen Persönlichkeit Winston Churchill benannt und spiegelt bis heute seinen Charakter. Die Vitola hat also über die eher technische Bezeichnung von Zigarrenformaten hinaus, gewissermaßen eine anthropologische Tragweite.

So kann man bei Fernando Ortiz Fernández nachlesen, dass jeder Raucher in der Vitola eine Facette oder eine Entsprechung seines Wesens sucht. Das kann ganz oberflächlich sein. Ein kleiner dicker Mann mit einer langen schmalen Zigarre beispielsweise würde beim Gegenüber sicherlich keinen authentischen Eindruck machen. Eine Churchill hingegen entspricht mit ihren opulenten und beinahe majestätischen Ausmaßen gewissermaßen der konservativ-imperialen Politik eines Winston Churchill.